Bonnie

05.07.2005

Bonnie zieht bei uns ein. Sie kommt aus dem Tierheim Roquetas de Mar im fernen Spanien.

Über ihre Vorgeschichte ist kaum etwas bekannt: Irgendwann wurde sie von einer Familie gefunden und aufgenommen, vor kurzem jedoch gemeinsam mit ihrem einjährigen Sohn im Tierheim abgegeben. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Nach einer strapaziösen Autofahrt von über 2.000 km soll sie nun bei uns ein neues Zuhause finden.

Wie alle vernachlässigten Tiere stinkt sie erbärmlich, das Fell ist an den längeren Stellen ziemlich verfilzt, so daß Dagmar die Schwanz- und Ohrenzottel kurzerhand abschneidet. Ansonsten ist sie zwar recht dünn, aber in einem überraschend guten Allgemeinzustand. Ein kleiner Wirbelwind, der meine Leute mit seinen Kapriolen oft zum Lachen bringt. Allerdings tut etwas Erziehung dringend not: Kaum im Haus angekommen, springt sie auf den Küchentisch! Findet Dagmar nun doch nicht so toll.

 

In den ersten Stunden finde ich es ja ganz witzig, mit Bonnie durch Haus und Garten zu toben; wir sind uns vom ersten Augenblick an sympathisch. Aber im Laufe des Abends geht sie mir doch ziemlich auf die Nerven. Wie kann man nur ständig so aufgedreht und gut gelaunt sein? Ich will endlich meine Ruhe haben, menno!

 

Sogar Madame Buffy läßt es sich nicht nehmen, das neue Familienmitglied zu begrüßen. Sie ist zwar wenig begeistert von der “Konkurrenz”, platzt aber regelrecht vor Neugier. Einerseits faucht und schimpft sie, andererseits scharwenzelt sie ständig um Bonnie herum; manchmal trifft sogar Nase an Nase...

Micky geht ihr lieber aus dem Weg und hält sich überwiegend im “sicheren” Garten auf. Wie er den Einzug der Hausgenossin verkraftet, könnt Ihr hier lesen.

08.07.2005

Langsam legt sich die anfängliche Aufregung und wir nähern uns einander an. Bei unseren Spaziergängen hält Bonnie sich dezent zurück und läßt mir den Vortritt, so daß ich in Ruhe schnüffeln kann. Sie weiß noch nichts Rechtes mit Spaziergang anzufangen. Wird aber schon noch!

Leider ist sie noch nicht stubenrein, aber auch das klappt immer besser.

Gestern abend waren wir beide total geschafft und schliefen aneinandergeschmiegt bei Dagmar auf dem Sofa. Sie war von diesem Anblick derart fasziniert und berührt, daß sie kaum wagte, auch nur den kleinen Zeh zu bewegen, um uns nicht zu stören.

 

12.07.2005

Bonnie ist schon eine Woche bei uns - wie schnell die Zeit verfliegt! Sie fühlt sich offensichtlich wohl, obwohl sie sich manchmal etwas kläffig zeigt, wenn ihr etwas unbekannt oder unheimlich ist. Die Kläfferei möchte Dagmar ihr natürlich gern abgewöhnen. Ob sie das wohl schafft?!

Unserer Tierärztin haben wir Bonnie auch schon vorgestellt - sie ist hellauf begeistert. Bonnie ist topfit und kerngesund, die Operationsnarbe von der Kastration vorbildlich, sämtliche Impfungen und Tests auf Mittelmeerkrankheiten sind durchgeführt und dokumentiert, sogar eine Frontline-Behandlung gegen Flöhe und Zecken.

Die Betreuung durch unsere Nachbarin klappt viel besser, als wir erwartet haben. Jeden Tag darf Bonnie für einige Stunden mit Lucky und Finja toben und spielen, so daß sie immer ganz erschöpft ist, wenn Dagmar und ich von der Arbeit heimkommen. Also müssen wir uns keine Sorgen machen, daß Bonnie sich langweilt oder einsam fühlt.

Tja, vor wenigen Wochen noch hatte sie gar keine Familie mehr - und nun gleich zwei!

 

13.07.2005

Bonnie geht es nicht gut. Sie verweigert das Frühstück, erbricht und hat Durchfall. Bei der Nachbarin liegt sie nur unter der Eckbank und schläft. Wir hoffen, es ist nichts Ernstes, sondern schlichtweg eine Reaktion auf die Aufregungen der letzten Wochen. War wohl alles etwas viel: Abschiebung ins Tierheim, Kastration, dann die lange Reise, neue Umgebung, fremde Menschen, Geräusche und Gerüche, die Umstellung auf anderes Futter - da kann der Magen schon mal verrückt spielen.

Aber sooooo schlimm kann es nicht sein: Am Abend hat Bonnie immerhin schon wieder genug Energie, um den armen Micky-Kater zu jagen. DAS gibt garantiert Ärger!

06.08.2005

Bonnie hat sich gut eingelebt und an unseren Tagesablauf angepaßt. Sie liebt es, auf dem Sofa zu kuscheln. Aber sie tobt auch gern mit mir durch den Garten. Ja, Ihr werdet es kaum glauben: SIE bringt mir das Spielen bei!!! Zwar bin ich noch etwas unbeholfen und tollpatschig, aber es klappt von Mal zu Mal besser.

Wie Ihr seht, hätte es nicht besser kommen können. Dagmar hat ja monatelang darüber gegrübelt, ob es richtig ist, einen zweiten Hund ins Haus zu holen. Nun ist sie mehr denn je davon überzeugt und froh, daß sie trotz der anfänglichen Mißerfolge durchgehalten hat.

09/2005

Nach 2 Monaten ist Bonnie endgültig “angekommen”. Sie hat ihr neues Zuhause akzeptiert, hört auf ihren Namen - und ist einfach nur lieb, verspielt, unkompliziert und pflegeleicht.

Ich habe mir schon viel von ihr abgeschaut. So konnte ich z.B. mit diesem Kauknochen nie etwas anfangen. Jetzt aber weiß ich, wofür die Dinger gut sind! Spielen und miteinander Toben klappt schon ganz gut. Nur auf dem Sofa wird es manchmal etwas eng.

Alleinbleiben kann ich aber immer noch nicht, ohne die ganze Nachbarschaft zusammenzuheulen. Mit dem Unterschied, daß ich jetzt (manchmal) eine Heul-Gefährtin habe, sehr zum Leidwesen meiner Leute. Eigentlich sollte Bonnie mir die Heulerei abgewöhnen; stattdessen stimmt sie nun mit ihrem Piepsstimmchen in meinen “Gesang” ein.

01/2006

Weihnachten und Silvester findet Bonnie genau so doof wie ich. Die Aufregung schlägt ihr gleich wieder auf den Magen, so daß über eine Woche lang Fast-Nix-Fressen und Durchfall angesagt ist.

Obwohl der traditionelle Standort des Weihnachtsbaums normalerweise als Tobeplatz genutzt wird, ist er kaum in Gefahr. Bonnie ist das Ding ziemlich unheimlich und sie hält respektvoll Abstand. Nur die Krippenfiguren findet sie toll. Die schleckt sie gleich begeistert ab, als Dagmar die Krippe aufbaut.

Ihr erster Schnee beeindruckt sie nicht sonderlich. Schätze, sie kann gar nix damit anfangen. Obwohl - mit mir durch den verschneiten Garten zu toben, macht ihr schon Spaß.

08.03.2008 Agility

Bonnie, Lisa und Nicki machen ab heute hier Agility. Dagmar ist ganz erstaunt, wie gut Bonnie (und die anderen natürlich) die einzelnen Übungen absolviert. Es sind insgesamt 7 Teilnehmer (erstaunlicherweise alles Hundemädchen!), eine sehr nette Truppe, die eine Menge Spaß hat.

 

06/2013 Beißattacke

Beim Nachmittagsspaziergang begegnen wir einem Bekannten mit seinen beiden Hunden, die wir schon lange kennen: große Hündin (Schäferhundmix) aus Spanien und kleiner Rüde (Jack-Russel-Mischling), ebenfalls aus Spanien. Beide angeleint.

Bonnie (nicht angeleint) ist gut drauf, fordert die beiden zum Spielen auf, wälzt sich auf dem Boden; was die beiden auch ganz toll finden. Doch plötzlich kippt die Stimmung: Die Hündin packt Bonnie von oben an den Schultern und schüttelt sie wie ein Kaninchen. Trotz aller Bemühungen ihres Besitzers läßt sie einfach nicht los. Bonnie schreit wie am Spieß vor Todesangst.

Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, läßt sie endlich von Bonnie ab, die so schnell wie möglich zum Auto rennt. Sie zittert und steht unter Schock. Seltsamerweise ist gar kein Blut zu sehen...

Bei der Tierärztin dann die erschütternde Diagnose: Durch das heftige Schütteln hat sich die Haut von den Muskeln abgelöst. Also gibt es Schmerzmittel und einen Druckverband - mit Smilies, damit es nicht ganz so traurig aussieht. (Kommentar der Tierärztin)

Zum Glück verheilen die Wunden relativ schnell. Aber der Schock sitzt tief. Sobald ein Hund auftaucht, der dieser Hündin ähnlich sieht, rennt Bonnie in Panik davon. Sie hat auch ihre Fröhlichkeit verloren, ist melancholisch und still geworden. Aber sie lebt und wird hoffentlich bald wieder die alte sein!

 

Nachtrag 2010
Leider führen Bonnies Magen-/Darmprobleme immer wieder zur Sorge. Wir versuchen es mit Ausschlußdiät, Cortisonbehandlung und Homöopathie - so wirklich helfen kann offenbar nichts. Die Cortisonbehandlung bekommt Bonnie überhaupt nicht. Das schlimme Bauchgrummeln bleibt zwar aus, aber sie wird schwer depressiv. Sie ist nicht mehr die fröhliche, lebenslustige Bonnie, sondern macht einen sehr leidenden Eindruck. Beim Spaziergang trottet sie nur noch wie eine alte Hunde-Oma hinter uns her. Deshalb brechen wir die Behandlung nach wenigen Monaten wieder ab.

Nachtrag 2012
Spezialfutter vom Tierarzt (Hill’s Prescription Diet z/d) bringt auch keine Besserung; kostet nur viel Geld. Inzwischen versuchen wir, mit Bonnies Magen-/Darmproblem zu leben. Oft geht’s ihr gut, manchmal hat sie Bauchweh. Möglicherweise ist dies auch seelisch bedingt und Aufregung schlägt ihr auf den Magen...

Nachtrag 2014
Die Arthrose macht sich stark bemerkbar. Mit einer mehrwöchigen Physiotherapie versuchen wir, die Schmerzen zu lindern. Leider geht das nicht ohne die Unterstützung von Cortison; allerdings nur gering dosiert. Es drängt sich die Vermutung auf, daß Bonnie evtl. gar keine Magenprobleme hat, sondern zeitweise schlicht und ergreifend vor lauter Schmerzen nicht fressen konnte?!

 

2017
Die Magen-Darm-Probleme häufen sich. Ganz schlimm wird es im August: Tagelang Durchfall, an einem Abend muß Bonnie sich ständig übergeben. Dann der Schreck: Das Erbrochene lebt! Ein etwa 10 cm langer Wurm ringelt sich auf dem Boden!

Zum Glück kann der Wurmbefall mit einer mehrstufigen Wurmkur über fast 4 Monate behoben werden. Wobei Lotta und Timo sicherheitshalber gleich mitbehandelt werden.

Bonnies Zustand ist besorgniserregend. Sie hat viel Gewicht verloren, ist kraftlos und müde. An Spazierengehen und Treppensteigen ist nicht zu denken. Wir rechnen mit dem Schlimmsten...

Doch der Lebenswille ist noch stark und Bonnie erholt sich schnell wieder! Zwar gibt es immer wieder mal Durchfall, aber im Allgemeinen geht es ihr gut.

 

17.01.2018
Wieder hat es Bonnie erwischt: Etwa 2 Tage lang mehr oder weniger Durchfall, bis es sich dann an diesem Abend zu schlimmen Durchfällen und Erbrechen steigert. Also am nächsten Morgen schnell zur Tierärztin. Dort gibt es 2 Spritzen und Spezialfutter zum Päppeln. Aber dieses Mal dauert es wesentlich länger, bis Bonnie sich wieder erholt. Gassi geht nur sehr langsam, Treppensteigen erfordert viel Kraft.

Die Ohren haben inzwischen ihren Dienst aufgegeben, der Rücken ist steif, das Fell sehr dünn geworden. Aber Bonnies Lebensfreude ist nach wie vor ungebrochen. Gelegentlich läßt sie sich noch zu ihren typischen Kapriolen hinreißen, soweit es die müden Knochen erlauben.

 

03/2018

Sonntagabend, 04.03.
Bonnie wird ohne erkennbaren Grund unruhig. Schließlich übergibt sie sich heftig, läuft weiter rastlos durch die Wohnung. Es scheint, als würde sie etwas suchen. Nach etwa zweieinhalb Stunden schläft sie erschöpft in ihrem Korb ein.

Montag, 05.03.
Bonnie benimmt sich wieder ganz normal. Die Mittagsrunde ist für sie zu anstrengend, deshalb gibt es nur einen kurzen Tripp um den Block. Aber bei den beiden Abendrunden läuft sie ganz normal mit, flitzt sogar wie ein junger Hund die Treppen hoch und bellt durchs Treppenhaus (eigentlich verboten!).

Dienstag, 06.03.
Bonnie zeigt keine Auffälligkeiten. Anstelle des Mittagsgassis zu dritt darf sie auf die Wiese hinter dem Haus. Dort trottet sie langsam ihre Runden, erfreut sich an diversen Kaninchenhinterlassenschaften und vergessenen Hundeleckerchen, die da so rumliegen.​

Bei der 18-Uhr-Runde ist sie aber wieder dabei, wenn auch sehr langsam. Ihre Abendmahlzeit frißt sie wie üblich mit gutem Appetit.

Zwischen 20.15 und 20.30 Uhr nimmt dann das Unglück seinen Lauf. Bonnie wird wieder unruhig, läuft ziellos durch die Wohnung. Nach einigen Minuten bleibt sie wie verloren und orientierungslos in der Küche stehen. Dagmar legt sie im Wohnzimmer aufs Sofa, wo sie auch still liegen bleibt. Plötzlich dreht sie sich auf den Rücken - Dagmar denkt zuerst, sie macht wieder ihre üblichen Kapriolen. Leider ist es nicht so: Sie krampft so stark, daß Dagmar sie kaum festhalten kann. Sie erbricht und ist ab diesem Moment nicht mehr ansprechbar.​

Dagmar versucht verzweifelt, einen Tierarzt zu finden, der zu uns nach Hause kommt. Aber niemand ist dazu bereit. Über Umwege erhält sie die Telefonnummer des Mobilen Tiernotdienstes. Dort gibt es zuerst große Probleme mit der Kommunikation. Die Dame am Telefon versteht immer wieder unsere Postleitzahl falsch und sagt, unser Ort liege nicht im Betreuungsgebiet. Nach einer gefühlten Ewigkeit klärt sich dieses Mißverständnis aber und es wird ein Tierarztbesuch für 23 Uhr angekündigt.​

Bonnies Zustand verschlechtert inzwischen zusehends. Sie versucht immer wieder aufzustehen, aber ihre Beine tragen sie nicht mehr. Sie hechelt (ein Zeichen für Schmerzen), kann nichts sehen. Der Atem geht schwer und rasselnd.​

Kurz vor 23 Uhr ruft der Tiernotdienst wieder an: Die Tierärztin ist unterwegs, es dauert aber noch etwa eine Dreiviertelstunde. Egal - Hauptsache, es kommt überhaupt jemand!​

Kurz nach Mitternacht ist die Tierärztin endlich da. Sehr liebevoll kümmert sie sich um Bonnie und stellt eine niederschmetternde Diagnose: Schlaganfall (Vestibularsyndrom; daher die plötzliche Blindheit) und eine geplatzte Milz; vermutlich aufgrund eines unentdeckten Tumors. Bauchraum und Lunge sind voller Flüssigkeit. Das Herz schlägt nur noch schwach. Heilungschancen: 10 %. Eine Behandlung also völlig indiskutabel. Gegen 0.30 Uhr kann Bonnie endlich erlöst werden.

Dagmar ist mit den Nerven am Ende. Ihr war schon lange klar, daß Bonnie bald sterben wird, aber doch nicht unter diesen schrecklichen Umständen! Es war schier unerträglich, die arme Maus so leiden zu sehen, ohne helfen zu können. Die Schuldgefühle machen das Loslassen noch viel schwerer.

 

07.03.2018

Meine Seelenfreundin,
mein fröhlicher Clown,
mein geliebtes Sorgenkind.​

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag, als ich Dich am Autobahnrastplatz in Empfang nahm. Es war für uns beide Liebe auf den ersten Blick.​

Jeden Tag brachtest Du mich mit Deinen lustigen Kapriolen zum Lachen. Du hast mein Leben mit Licht, Freude und Leichtigkeit bereichert. Meine Liebe erwidertest Du mit unerschütterlichem Vertrauen. Unsere Verbindung zueinander war etwas ganz Besonderes, Einzigartiges. Ich danke Dir, daß ich das erleben durfte.

Trotz Deiner schwachen Gesundheit und vieler Widrigkeiten hast Du Dir stets Dein bezauberndes Wesen und Dein Lächeln bewahrt.​

Fast 13 Jahre warst Du immer an meiner Seite.
Eine lange Zeit - dennoch viel zu kurz.
Nun trennen sich unsere Wege für immer. Ich hoffe, die schönen Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit werden die grenzenlose Trauer bald lindern.

 

Kontakt

© seit 2002
Dagmar Gronewald
50226 Frechen
Tel. 0176-78000953

Gedenktage

Tag des Versuchstieres am 24.04.

Weltkatzentag am 08.08.

Welttierschutztag am 04.10.

Welthundetag am 10.10.

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