Hilfreiche Tipps

Für frisch gebackene Laborbeagle- und andere Tierschutzhunde-Menschen habe ich in Dagmars Auftrag einige Punkte  zusammengefaßt, auf die man achten sollte. Diese Tipps sind natürlich nicht allgemeingültig. Sie resultieren überwiegend aus den ganz persönlichen Erfahrungen meiner Leute mit mir, können aber vielleicht auch für andere hilfreich sein.

 

Trinken & Fressen

Geratet nicht gleich in Panik, wenn der Neuankömmling in den ersten 3-4 Tagen weder frißt noch trinkt. Bedenkt, wie viele neue Eindrücke er verarbeiten muß - das schlägt auf den Magen. Entsprechend ergebnislos können dann auch die Gassigänge sein: Wo nix reinkommt, kann auch nix rauskommen...

Unter Umständen gelingt es, den frisch gebackenen Freiheits-Beagle mit gekochtem, in kleine Stücke geschnittenen Hühnchen- oder Putenfleisch aus der Reserve zu locken. Dieses Fleisch ist leicht verdaulich und schmeckt fast jedem Hund. Aber nur fast - ICH konnte mich nicht mal für Leberwurst begeistern und habe sie verschmäht. Meine Güte, war ich blöd! Sowas passiert mir heute nicht mehr. Am ersten Tag hatte ich sogar Angst, mich zum Schlafen hinzulegen. Irgendwann war ich so müde und erschöpft, daß ich im Sitzen eingeschlafen und umgefallen bin.

 

Spaziergänge

Nachdem die anfängliche “Gassi-Steh-Phase” überwunden ist, können wir mit einer kleinen Gassirunde beginnen und diese mit der Zeit ausweiten. Aber: auch wenn es für Euch Menschen langweilig ist, macht uns zuliebe zumindest anfangs immer dieselbe Runde. Das gibt Vertrauen und Sicherheit. Selbst nach fast 2 Jahren war ich etwas irritiert, wenn Dagmar von der üblichen Route abwich und schaute sie ganz erstaunt an.

 

Fell & Haut

Mein Fell war anfangs sehr dünn - der Bauch sogar kahl. Deshalb hab’ ich im ersten Winter ganz schön gefroren. Nach einigen Monaten aber fing das Fell an zu wachsen und ist nun schön dicht, glatt und glänzend (nachdem endlich das optimale Futter gefunden wurde!). Ich habe sogar einen Schnauzbart bekommen!

Meine Fußballen waren zart, weich und rosa. Erst im Laufe der Zeit bekamen sie ihre “richtige” Form: fest und dunkelfarben.

 

Geruch

Möglicherweise riechen wir nach unserer Entlassung aus dem Labor etwas streng, unser Fell ist stumpf und schmierig. Meine Leute behaupten, sie hätten sich im ganzen Leben nicht so oft die Hände waschen müssen wie in den ersten Tagen mit mir. Duschen ist zwar eine entsetzliche Tortur, aber gut für Fell und Haut. Allerdings empfehle ich ein mildes Hundeshampoo, angenehmer für Eure Menschennasen ist wahrscheinlich Babyshampoo. Je nach Jahreszeit und Wetterlage erfüllt ein Spaziergang im Regen den gleichen Zweck. Wenn wir dann durchnäßt nach Hause kommen, trocknet uns mit einem weichen Tuch ab; ein lärmender Fön macht uns Angst.

Eventuell läßt auch die Umstellung auf ein anderes Futter den üblen Geruch mit der Zeit verschwinden.

 

Autofahren

Für mich persönlich ist und bleibt Autofahren ein Greuel. Ich kann mich an diese lärmenden, stinkenden und schwankenden Höllendinger nicht gewöhnen, da helfen auch nicht die ausgefallensten Leckerlies. Es soll aber Kollegen geben, die nach einer Eingewöhnungszeit sogar gern im Auto mitfahren; besonders, wenn zum Abschluß ein ausgedehnter Spaziergang auf dem Programm steht.

 

Laborbeagle-Treffen & ähnliche Veranstaltungen

Das jährliche Treffen aller ehemaliger Laborbeagles mit ihren neuen Leuten ist von den Menschen sicher gut gemeint - ich persönlich finde die Idee eher nicht so toll. Diese Ansammlung von Menschen und Hunden, die Enge und der unsägliche Lärm sind mir schlichtweg zu nervenaufreibend und stressig. Deshalb werde ich zukünftig auf die Teilnahme solcher Veranstaltungen verzichten. Statt einen ganzen Tag vor Anspannung und Angst zitternd unterm Tisch zu sitzen, möchte ich lieber in unserem Garten toben, auf dem Sofa faulenzen oder ähnlich nette Dinge tun.

 

Alleinbleiben

kann ich bis heute nicht so richtig gut, obwohl meine Leute schon die verschiedensten Methoden ausprobiert haben, mich daran zu gewöhnen. Irgendwie haben sie vor lauter Mitleid den richtigen Zeitpunkt verpaßt: Anfangs war es mir völlig wurscht, ob sie da waren oder nicht, aber inzwischen bekomme ich Panik, wenn ich sie nicht um mich habe und heule aus Leibeskräften. Deshalb der gute Rat: Fangt so früh wie möglich an, Euren neuen Gefährten Schritt für Schritt ans Alleinsein zu gewöhnen.

 

Besuch

von Verwandten und Freunden fand ich in der Anfangszeit äußerst verwirrend. Die ersten Tage waren für uns alle sehr anstrengend. Zu viele Eindrücke mußten verarbeitet und sortiert werden, als daß ich mich über “Bewunderer” hätte freuen können. Nur unsere Nachbarin Mona fand ich gleich nett. Mit ihr gemeinsam konnte ich prima am Zaun entlang rennen - immer schön durch Dagmars Blumenbeete.

Nachtrag
Mona ist am 06.08.2004 an Nierenversagen gestorben.

 

Weglaufen

Wir wollen Euch nicht aus Böswilligkeit weglaufen oder weil es uns nicht bei Euch gefällt. Nein, Neugier und Entdeckungslust treiben uns in die Ferne; oder wenn uns etwas erschreckt. Dummerweise verlieren wir schnell die Orientierung, brechen in Panik aus und rennen einfach drauflos, egal wohin, immer weiter und weiter...

Um unseren Freiheitsdrang wenigstens halbwegs im Zaum zu halten, sind dies die wichtigsten Voraussetzungen:

- ein ausbruchsicher eingezäunter Garten
- ein gut sitzendes Halsband/Geschirr
- gut verschlossene Haustüren
- höllisch aufpassende Menschen

Dennoch gibt es keine 100%ige Garantie - meine Leute können davon ein Liedchen singen - siehe hier.

 

Flexi-Leine

Hat auch mit “Weglaufen” zu tun: Es kann immer wieder mal passieren, daß Euch die Flexi-Leine aus der Hand fällt und der arme Laborbeagle sich zu Tode erschreckt über das scheppernde Ding, das ihn hartnäckig verfolgt, wohin er auch rennt.

Deshalb unser Tipp:
Übt das Flexi-Leine-Fallenlassen zuhause so lange, bis Euer Beagle keine Angst mehr hat. Dann evtl. die Übungen auch draußen ausprobieren; sinnvollerweise in einer Umgebung, wo keine Fluchtgefahr besteht.

 

Kondition

haben wir natürlich keine - woher auch? Ausgedehnte Spaziergänge gibt es im Labor nicht. Wundert Euch also nicht, wenn wir schon nach kurzer Zeit nicht weiter können oder gar vom Spazierengehen Muskelkater bekommen. Unsere Muskeln müssen erst aufgebaut werden und das dauert ein Weilchen. Haben wir aber Kondition und Ausdauer entwickelt, sind wir nicht mehr zu bremsen.

 

Angst

Wenn wir aus dem Labor entlassen werden, bricht für uns eine Welt zusammen - UNSERE Welt, die einzige, die wir kennen. Wir müssen uns ganz langsam an unser neues Leben herantasten und viele Ängste überwinden.

Stellt Euch vor, Ihr landet auf einem fremden Planeten. Ihr versteht niemanden, niemand versteht Euch. Ihr wißt nicht, was all diese Geräusche, Düfte, Lichter etc. bedeuten... Da hättet Ihr sicher auch Angst!

Erwartet nicht gleich zuviel von uns. Manche finden sich sofort zurecht, bei anderen dauert es länger, manchmal sogar Jahre. Geht für uns schwierigen Situationen nicht aus dem Weg, sondern stärkt unser Selbstvertrauen. Meine Leute führen mich zum Beispiel an die bedrohliche Mülltonne heran, so daß ich sie ausgiebig - mit gaaannz langem Hals - beschnüffeln kann. Oder lärmende Stühle, knisterndes Papier, stinkende Autos, klingelnde Fahrräder - wenn man diese seltsamen Dinge erstmal beschnuppert hat (natürlich NUR mit Eurer Rückendeckung!), sind sie nur noch halb so furchterregend.

 

Geduld

ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, wenn man einen Laborbeagle adoptieren möchte. Gebt niemals auf, wenn es mal nicht so gut läuft. Es gibt oft Rückschläge, aber auch viele kleine Schritte nach vorn. Bei mir siegt meistens die Neugier über die Angst - man könnte ja was Interessantes verpassen!

 

Silvester

ist nicht nur für Laborhunde ein Graus. Wie man sich und seinen Hund auf dieses Ereignis vorbereiten kann, erfahrt Ihr hier.

 

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