Buffy & Micky

06.08.2003

Katze Buffy (geboren ca. 1997) und Kater Micky (geboren ca. 1998), vermittelt über den Tierschutzverein respekTiere, ziehen bei uns ein. Über die Vorgeschichte der beiden ist nicht viel bekannt. Man weiß nur, daß sie schon immer zusammen waren und nun sozusagen aus dritter Hand zu uns kommen.


Obwohl Buffy mich gelegentlich anfaucht und meine Aufforderungen zum Spiel hochnäsig ignoriert, finde ich sie ganz in Ordnung. Sie kommt wohl aus einem reinen “Frauenhaushalt” und hat noch keine Ahnung, was für prächtige Geschöpfe die Männer sind. Wer sonst sollte sie vor den Gefahren der Wildnis beschützen - wenn die Luft rein ist? Ich habe sie jedenfalls tatkräftig beim ersten Gartenspaziergang ihres Lebens unterstützt. Nur dank meines moralischen und seelischen Beistandes konnte sie dem Feind in Gestalt unseres Nachbarn entrinnen und heil zurück ins Haus fliehen. Daß sie dabei ein kurzes Fußbad im Gartenteich einlegen mußte, konnte ich leider nicht verhindern. Diesem tückischen Ungetüm bin ich ja auch gleich in den ersten Tagen zum Opfer gefallen.

Micky ist sehr scheu und ängstlich, deshalb gibt es leider noch keine Fotos von ihm. Bei seinen nächtlichen Streifzügen durchs Haus habe ich ihn aber vorsichtshalber ganz furchterregend angebellt (Huch, ich wußte gar nicht, daß ich das kann!), damit er erst gar nicht auf die Idee kommt, mir meinen Lieblingsplatz hinter dem Sofa streitig zu machen.

26.08.2003

Nun sind Buffy & Micky schon 2 Wochen bei uns und haben sich gut eingelebt. Am Samstag erlitten sie nochmal einen kleinen Rückschlag, weil sie zwecks Impfung zum Tierarzt mußten. Dagmar hat eine halbe Stunde lang ihre ganze Überredungskunst einsetzen müssen, bis sie die beiden in der Transportbox verstaut hatte. Vor allem Micky war mit dieser Aktion überhaupt nicht einverstanden, er war vor lauter Angst dem Herzinfarkt nahe. Beim Tierarzt mußte er aus der Box rausgeschüttelt und eingefangen werden.

Buffy hat die ganze Aufregung locker weggesteckt, nachdem sie merkte, daß sie tatsächlich wieder zuhause und nicht an einem fremden Ort war. Nachmittags brach sie unbeeindruckt zu ihren Gartenwanderungen auf. Dabei kam es zur ersten lautstarken Auseinandersetzung mit einer Fremdkatze. Mannomann, der hat sie’s aber gründlich gegeben! Die kommt bestimmt so schnell nicht wieder. Ich wußte gar nicht, daß so sanfte Wesen so biestig sein können. Da muß ich mich aber vorsehen, daß ich nicht irrtümlich in die Schußlinie gerate. Einmal ist es schon passiert, daß Buffy aus Versehen nach mir geschlagen hat; dabei wollte ich sie nur vor dem keifenden Nachbarshund beschützen.

01.09.2003 Erstes Foto von Micky

Es geschehen noch Wunder: Micky kommt aus seinem Versteck und läßt sich von Dagmar kraulen! Sie ist total hin und weg. Seit dem Tierarztbesuch haben wir ihn ja kaum noch gesehen. Jetzt gibt es auch endlich Fotos von ihm. Allerdings läßt die Qualität einiges zu wünschen übrig, da Dagmar sie gewissermaßen blind und freihändig schießen mußte. Sie durfte ja keine heftigen Bewegungen machen, sonst wäre er gleich wieder verschwunden.

 

06.08.2003 Es regnet

Buffy ist seit ihrem ersten Freigang nicht mehr aufzuhalten. Wenn es abends dunkel wird, muß sie allerdings drinnen bleiben. Was ihr gar nicht gefällt und mit lautem Schimpfen klar zum Ausdruck gebracht wird. Aber Dagmar ist stur und eisern, sie läßt sich weder durch hartnäckiges Jammern noch durch leidenden Augenaufschlag erweichen. Ich spreche da aus eigener leidvoller Erfahrung...

Heute nachmittag regnet es, so daß ich persönlich gern auf jede Art von Spaziergängen verzichte. Aber Buffy läßt sich nicht beirren. Wie ein Kaninchen hüpft sie durch den Regen  (Igitt, ist das eklig an den Pfoten!), macht es sich auf ihrem Lieblingsbeobachtungsposten im Mülleimer-Schuppen gemütlich und schimpft laut maunzend über das Sauwetter. Meine Güte, ist die zickig! Ich für meinen Teil bleibe lieber auf dem mollig warmen Sofa liegen und tu so, als ginge mich das alles nix an. Und wehe, es kommt einer auf die Idee, mit mir rausgehen zu wollen!

Oktober 2003

Mittlerweile haben wir 3 uns arrangiert, indem wir uns meistens freundschaftlich ignorieren. Buffy mißversteht meine ungelenken, aber freundlich gemeinten Aufforderungen zum Spiel nach wie vor als Bedrohung und plustert sich mit einem Riesenbuckel mächtig auf. Micky ist immer noch ein Angsthase, der nur das macht, was Buffy ihm erlaubt. Ohne sie traut er sich noch nicht mal an seinen Futternapf!!! (Dafür fehlt mir allerdings jedes Verständnis.) Über diese Abhängigkeit ist Dagmar ziemlich betrübt. Sie möchte ihn gern unterstützen, so viel Selbstbewußtsein aufzubauen, daß er sich irgendwann auch ohne Buffys Rückendeckung an den Abenteuern des Lebens erfreuen kann.

Allerdings hat es sich schon sehr gebessert. Während wir ihn anfangs nur als schwarzen Strich wahrnehmen konnten - Micky ständig auf der Flucht -, so streift er mittlerweile schon recht stolz und langbeinig durchs Haus. Gelegentlich läßt er sich sogar zu einem kurzen Ausflug in den Garten hinreißen. Mit Dagmar schmusen liebt er über alles - bis ihm wieder einfällt, daß er eigentlich Angst vor ihr hat. Dann kann man regelrecht die Gedanken aufblitzen sehen und - schwupps - verschwindet er schnell in sein Versteck.

Wenn mich die Miezen auch manchmal ganz schön nerven - einen Riesen-Pluspunkt haben sie bei mir immer gut: Katzenfutter ist für mich das Köstlichste auf der Welt!!! Blöderweise geben sich meine Leute die größte Mühe, mich davon abzuhalten - angeblich bekommt es mir nicht. Pah, haben die eine Ahnung, was mein Magen alles verkraftet. Unverschämt, diese ständige Bevormundung! Glücklicherweise gelingt es mir hin und wieder doch, einige der köstlichen Happen zu erwischen, obwohl neuerdings in der Badezimmertür, hinter der sich die verlockende Katzenfutterstelle befindet, eine Katzenklappe eingebaut ist. Waren die doch tatsächlich überzeugt, daß ich da nicht durchpasse. Hm, ich habe sie aber ganz schnell eines Besseren belehrt. Erstaunlicherweise waren sie gar nicht erfreut über meine Kunstfertigkeit. Ich sag’s ja: Menschen sind seltsame Geschöpfe; nix kann man ihnen recht machen.

März 2004

Inzwischen ist für uns alle der Alltag eingekehrt. Wir tolerieren uns gegenseitig und leben recht friedlich miteinander. Buffy & Micky haben sich daran gewöhnt, nach einem reichhaltigen Frühstück den Tag allein zu verbringen. Nachmittags aber stehen sie schon parat, wenn Dagmar und ich aus dem Büro heimkommen. Dann gibt es erstmal eine ausgiebige Begrüßung mit Mauzen und Um-die-Beine-Streichen. Vor allem Micky, der kleine Angsthase, kriegt sich gar nicht mehr ein vor Freude. Niemand hätte jemals damit gerechnet, daß er sich so prächtig entwickeln würde. Dagmar hatte sich schon damit abgefunden, ihn nur auf Distanz zu sehen. Nun ist für ihn der Gipfel der Glückseligkeit, wenn er sich im Bett an sie kuscheln kann. (Von wegen: Tiere gehören nicht ins Bett. Dieser Vorsatz hat sich in kürzester Zeit als rein hypothetisch erwiesen.)

Buffy hat allerdings ihre Schwierigkeiten zu akzeptieren, daß ihr kleiner Freund so viel Selbstbewußtsein entwickelt hat - und ihre Vorherrschaft in Anspruch auf Dagmars Zuwendung ins Wanken bringt. Manchmal duldet sie es, daß Micky mit ihr gemeinsam bei Dagmar liegt, schleckt ihn sogar hingebungsvoll ab. Oft aber attackiert sie ihn derart scharf, daß Dagmar angst und bange wird. Offensichtlich ist es die kleine Prinzessin nicht gewohnt, daß Micky derart im Vordergrund steht. IHM aber tut es gut: Er war im Winter der einzige von uns, der sogar bei Regen und Schnee in den Garten gegangen ist.

Neulich hatte er eine Begegnung mit einer Kröte aus dem Gartenteich. Als diese sich aber lautstark gegen Mickys Annäherungsversuche wehrte, bekam er doch Angst vor seiner eigenen Courage und flüchtete.

 

11.08.2005 Micky leidet

Durch Bonnies Einzug erleidet Micky einen heftigen Rückfall. Er zieht sich immer mehr in den Garten zurück, traut sich aus Angst vor ihr nicht mehr ins Haus. Er magert ab, bis er nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Unsere Leute stehen der Situation ziemlich hilflos gegenüber, wissen nicht, was tun - und hoffen, daß er sich im Laufe der Zeit wieder fängt. Um es ihm draußen so angenehm wie möglich zu machen, stellt Dagmar ihm sein Körbchen und Futter an seinen Lieblingsplatz. Aber statt besser wird es nur noch schlimmer. Sein Zustand verschlechtert sich rapide. Trotzdem läßt er sich von Dagmar anfassen, frißt ihr sogar aus der Hand.

Schließlich sieht Micky derart erbärmlich aus, daß Dagmar sich dazu durchringt, mit ihm zum Tierarzt zu fahren - mit diesem Sensibelchen ein schwieriges Unterfangen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Anderthalb Stunden dauert die Einfangaktion, die für Dagmar mit Kratzwunden von Kopf bis Fuß und einem zerbissenen Daumen endet.

Die Tierärztin kann keine organischen Mängel feststellen, es ist offensichtlich seine Seele, die leidet. Er fühlt sich wohl verstoßen, denkt, er dürfe nicht mehr ins Haus. Als Dagmar dann auch noch Körbchen und Futter rausstellte, verstärkte sie damit ungewollt diesen Irrtum und Katerchen gab sich endgültig auf. Dabei wollte sie ihm damit nur helfen - und machte genau das Falsche!

Nun, die Tierärztin verpaßt ihm eine Aufbauspritze und Dagmar läßt ihn erst wieder im “Katzenzimmer” aus der Transportbox. So ist er wenigstens erstmal wieder im Haus. Als sie spät abends nach oben kommt, rechnet sie damit, daß Micky sich in die Ecke verkriechen würde. Aber - Ihr glaubt es nicht: Er kommt sofort schnurrend und mit hoch erhobenem Schwanz auf sie zu! Sie kann es kaum fassen - allein für diesen Augenblick nimmt sie den schmerzenden Daumen gern in Kauf, der sie übrigens für eine volle Woche aufs Krankenlager wirft und noch viele weitere Wochen braucht, bis er wieder völlig hergestellt ist. Heute noch ziert eine kleine Narbe die Einbißstelle.

Dezember 2005 Alles gut

Inzwischen geht es Micky wieder gut, das Selbstvertrauen ist fast vollständig zurückgekehrt. Nach einigen Umbaumaßnahmen im Haus kann er sich relativ sicher von Bonnie unbehelligt bewegen. Außerdem läßt sie sich mittlerweile recht gut abrufen, wenn sie “Kater jagen” will.

 

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Micky verstorben am 18.08.2016

Mein kleiner großer Angsthasen-Kater,
mein stolzer Cowboy.

Es hat Jahre gedauert, bis Du mir genug vertrautest,
daß ich Dich anfassen durfte.
Immer wieder gab es Rückschläge.

Es war so schön zu sehen, wie Du Deine Spaziergänge
durch die Gärten genossen hast.
Bei jedem Wetter warst Du draußen auf Streife,
sommers wie winters.
Tapfer hast Du Dich den gefährlichen Igeln,
Kröten und Elstern in den Weg gestellt.

Schlaf gut, mein Engel.
Nun mußt Du nie wieder Angst haben.

Buffy verstorben am 04.04.2017

Du warst eine kleine “Madame”,
eigensinnig und selbstbewußt.
Jeden Tag hattest Du mir so viel zu erzählen -
lautstark und mit Nachdruck.
Deine hartnäckige Anhänglichkeit nahm mir oft den Atem.
Du warst mir so nah, daß Deine Barthaare mein Gesicht kitzelten.

Nun bist Du alt und schwach -
Zeit, Abschied zu nehmen.
Die Entscheidung fällt mir sehr schwer,
aber Du sollst mit Würde gehen können.

Jetzt bist Du wieder mit Micky vereint. Paß gut auf ihn auf.

Ich danke Dir für 14 Jahre bedingungsloser Liebe.

© seit 2002 | Dagmar Gronewald | 50226 Frechen | Tel. 0176-78000953