Die ersten Schritte - November 2002

Jetzt bin ich schon seit 2 Monaten bei meinem neuen “Rudel” und das Leben wird immer aufregender und interessanter. Erst jetzt nehme ich meine Umwelt so richtig wahr; erst jetzt wird mir bewußt, was ich bisher verpaßt habe.

Im Büro z.B. gibt es jemand, der riecht so gut - nach Wildschwein, sagt Dagmar. Den gleichen Wohlgeruch habe ich auch schon im Chef-Büro bemerkt. Da liegen so Felle rum, die ich wahnsinnig gern zerfetzen würde; darf ich aber nicht, so’ne Gemeinheit. Eins habe ich probeweise mal angeknabbert, da gab es aber Schimpfe.

Überhaupt darf man nie das, was einem Spaß macht. Dabei zerreiße ich für mein Leben gern Papier in jeder Form, Schals, Socken, Unterhosen, Hemden...

Aber ich darf ohne Leine und Halsband im Garten rumflitzen und Haken schlagen; das ist auch toll - am liebsten quer durch Dagmars Blumenbeete. Da habe ich mir schon richtig schöne Trampelpfade angelegt.

Draußen rumtoben gefällt mir aber nur bei schönem Wetter. Regen finde ich doof. Vor allem, wenn ich dann auch noch durch meterhohes Gras (Anmerkung der Redaktion: 10-20 cm!) laufen soll, igitt! Wenn meine Leute das so toll finden, können sie das ja gerne machen. ICH erledige meine dringenden Geschäfte lieber auf dem Teppichboden. Ich habe im ganzen Haus schon alle ausprobiert; der im Schlafzimmer ist der schönste, so weich und kuschelig. Aber an einem verregneten Freitag neulich habe ich es wohl übertrieben. Nach stundenlangem Spaziergang bei strömendem Regen kommen Dagmar und ich klatschnaß nach Hause - endlich im Trockenen! Ich nix wie rauf in Dagmars Zimmer im Dachgeschoß - welch eine Wohltat, den Druck loszuwerden! Da war Dagmar aber stinksauer, das war nämlich schon das dritte Mal, daß ich an diesem Tag die Teppichböden verziert hatte. Naja, irgendwie kann ich ihren Ärger verstehen; Teppiche reinigen ist nicht unbedingt eine herzerfrischende Arbeit. Normalerweise bin ich aber stubenrein; außer wenn meine Leute meine Zeichen nicht richtig deuten. Dann passiert schon mal ein Malheur.

Die Erziehung meiner Menschen klappt mittlerweile immer besser. Das Sofa im gemütlichen Dachgeschoßzimmer habe ich mir schon erobert. Da liege ich meistens mit Dagmar und sehe fern. Vielmehr - sie guckt TV und ich schnarche. Eigentlich darf ich nicht aufs Sofa, aber weil Dagmar so eine Frostbeule ist und ständig kalte Füße hat, bin ich als Wärmekissen akzeptiert. Allerdings ist das Sofa unten im Wohnzimmer immer noch verbotene Zone für mich - zumindest offiziell. Wenn die beiden sich abends endlich in ihre Betten verzogen haben, bin ICH der alleinige Herrscher über dieses Sofa. In die Kissen eingekuschelt kann ich dort wunderbar schlafen.

 

Manchmal allerdings sind meine beiden “Alten” doch reichlich seltsame Geschöpfe. Zuerst überreden sie mich nach allen Regeln der Kunst, die beängstigend steilen Treppen ins Obergeschoß mit raufzulaufen. Wenn ich dann endlich oben bin, soll ich wieder runter. Nee, mach’ ich nicht!!! Sollen die mich doch tragen! Dummerweise lassen die sich aber nicht einmal mehr von meinem erbärmlichsten Trauerblick erweichen. Gegen mein Gejammere sind die auch immun. Aber das könnte Euch so passen, mich da oben allein sitzen zu lassen. Dann lauf’ ich eben doch selbst die Treppen runter, so!

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